„Haus der Stille“ in ungewohnter Umgebung

Eine Außenstelle unseres Hauses der Stille befand sich Anfang Juni drei Tage lang auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Auf dem dortigen „Markt der Möglichkeiten“ stand dieses kleine Häuschen für die Möglichkeit, Einkehr und etwas Ruhe zu finden.

Die einer rheinhessischen Weinbergs-Schutzhütte, dem Trullo, nachgebildete „Stille-Box“ bildete den Kontrast zur „Lärm-Box“. Mit der Lärmbox haben verschiedene Bürgerinitiativen (z.B. der Verein für ein lebenswertes Mainz und Rheinhessen) auf die immer unerträglicher werdende Lärmbelastung im Umfeld des Großflughafens Frankfurt, aber auch auf andere Lärmquellen, aufmerksam gemacht. Die Lärmbox stand bereits 2013 auf dem Kirchentag in Hamburg und 2014 auf dem Katholikentag in Regensburg.

Die Kombination mit dem kleinen „Haus der Stille“ in Stuttgart ist neu. Viele Kirchentagsbesucher haben zuerst sich dem Lärm ausgesetzt: per Video unter eine Abflugschneise oder neben eine Bahnstrecke oder Hauptverkehrsstraße befördert. Und dann in der Stille-Box an einer Gebetszeit teilgenommen, einen Psalm gesungen, Gesten und Haltungen des Betens erprobt, oder einfach nur still dagesessen.

In sieben Diskussionsrunden mit Menschen aus Wissenschaft, Politik und Kirche ging es um das Thema „Lärm zerstört Stille“. Beteiligt waren unter anderen Prof. Dr. Frank Crüsemann (Alttestamentler), Prof. Dr. Eberhard Greiser (Mediziner, Epidemiologe), Bundes- und Landtagsabgeordnete aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, Dr. Ulrich Oelschläger (Präses der EKHN-Synode), Dr. Wolfgang Gern (Vorstand Diakonie Hessen), Dr. Henning Thole („Ärzte gegen Fluglärm“), viele Betroffene.

Bürgerbeteiligung und Planungsrecht, Lärm als Krankheitsursache, wirtschaftliche, rechtliche und politische Rahmenbedingungen waren ebenso Themen wie das biblische Sabbatgebot und das Recht auf ungestörte Religionsausübung (Grundgesetz, Art. 4,2). Wie soll man denn der Stimme Gottes lauschen, wenn man vor Lärm das eigene Wort nicht versteht?

Das kleine Haus der Stille wurde betreut von einer Gruppe von zwei Frauen und drei Männern aus Schule und Pfarramt, darunter Ulrich Weisgerber, Mitglied im Vorstand der „Initiative zur Förderung geistlichen Lebens – Haus der Stille – e.V.“
Fotos: privat Text: Ulrich Weisgerber